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Herr Bischof, wie gefährlich ist der Nervenkrieg um die Halbinsel Krim?

Субота, 08 березня 2014, 18:52
Es ist schon eine außergewöhnliche Situation, dass wir von einem wahren Krieg am Anfang des 21. Jahrhunderts inmitten des europäischen Kontinents sprechen müssen.

Es grenzt ans Unglaubliche, dass ein Land ohne jeden Grund seinen Nachbarn angreifen würde! Der Gnade Gottes und der Selbstbeherrschung der ukrainischen Soldaten verdanken wir es, dass sich die bisherigen Provokationen der russischen Truppen noch nicht in eine blutige Konfrontation verwandelt haben. Mittlerweile verstehen alle kritisch und selbständig denkenden Menschen sehr klar, dass der Kreml mit seinem Vorgehen alle möglichen internationalen Vereinbarungen missachtet hat. Dabei bedienen sich der Präsident von Russland und seine Mitarbeiter einer unverschämten Lüge, sowohl innerhalb seines Landes, als auch auf internationaler Ebene. Die Invasion der russischen Militäreinheiten auf das ukrainische Territorium stellt eine echte Aggression gegen einen unabhängigen Staat dar und dadurch ist die Stabilität in ganz Europa, wenn nicht in der Welt massiv bedroht.

Wie verhalten sich die Kirchen?

Die Kirchen und religiösen Organisationen der Ukraine haben von Anfang an eine sehr eindeutige und feste Position gegen die russische Besatzung eingenommen. In einer gemeinsamen Stellungnahme haben die Kirchenoberhäupter erklärt, dass „die Stationierung fremder Militäreinheiten in einem unabhängigen Staat eine Gefahr nicht nur für unser Land, sondern auch für den Frieden auf dem ganzen europäischen Kontinent darstellt“. Die Vorsteher der Kirchen haben von Russland verlangt, „sich seiner Verantwortlichkeit vor Gott und vor der Menschheit für die möglichen Folgen des Konfliktes auf dem ukrainischen Territorium bewusst zu werden und jede Form der Einmischung in die Angelegenheiten der Ukraine aufzuhören“.

In diesem Geiste haben sich auch die einzelnen Kirchen geäußert. Bemerkenswert war die Aussage des Pressesprechers der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats, Pater Grygorij Kovalenko, der in einem Interview erklärt hatte: „Es gibt keinen Segen Gottes über dem, der Gewalt ausübt. Der 10. Gebot Gottes sagt: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut“, so sind die Aktionen Russlands auf der Krim auch ein Verstoß gegen das Gesetz Gottes“. Der Priester hat betont, dass seine Kirche „Fleisch vom Fleische ihres Volkes ist und deshalb mit ihrem Volk bis zum Ende bleiben wird“.

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. hat sich trotz mehrerer Appelle bisher nicht gegen einen russischen Militäreinsatz auf der Krim gestellt. Wie bewerten Sie sein Verhalten?

Auf diese Appelle hatte sich vorerst Pater Vsevolod Tschaplin, einer der engsten Mitarbeiter von Patriarch Kyrill zu Wort gemeldet. Er hat das Vorgehen der russischen Truppen als eine „friedliche Mission Russlands auf dem Territorium der Ukraine“ bezeichnet und die Hoffnung geäußert, dass die russischen Soldaten in der Verwirklichung dieser „Mission“ „auf keinen erbitterten Widerstand seitens der Ukrainer treffen werden“. Am 2. März ist dann eine Stellungnahme des Patriarchen Kyrill selbst erschienen, die als Antwort auf einen entsprechenden Brief des Metropoliten Onufrius (locum tenens des Kiewer Metropoliten der Ukrainischen Orthodoxen Kirche) publiziert wurde. In diesem Schreiben hieß es, dass der Patriarch „alles machen werde, um Opfer bei der Zivilbevölkerung auf dem meinem Herzen lieben Territorium der Ukraine zu vermeiden“. In diesem Zusammenhang stellen die Analytiker fest, dass das Oberhaupt der Kirche weder die Ukraine als ein unabhängiges Land bezeichnet, noch den Militärangriff von Putin mit keinem Wort verurteilt habe. Wenn man sich also nur Sorge um Opfer bei der Zivilbevölkerung macht, so fragt man sich, ob damit, hinter den allgemeinen Phrasen über „die Bruderschaft des Ukrainischen, Weißrussischen und Russischen Volkes“, nicht doch ein „stiller Segen“ für das gewaltsame Vorgehen von Putin in der Ukraine gegeben wurde…

Ehrlich gesagt, bin ich meinerseits fassungslos angesichts einer solchen Aussage des Vertreters und Leiters einer Kirche, deren Gläubige einen sehr großen Teil der Bevölkerung der Ukraine bilden. Wir verlieren aber nicht den Mut und setzen unsere ganze Hoffnung auf die Hilfe Gottes. Gemeinsam mit den anderen Kirchen beten wir für unser Vaterland, für das Parlament und für die neue Regierung in der Ukraine, für die Armee und für die Einheit des Landes…

An dieser Stelle möchte ich vom Herzen allen Bürgern Europas, allen Journalisten, Politiker und allen Brüder und Schwestern im Glauben danken für Ihre Solidarität mit uns und für ihre Gebete. Ich glaube, wir spüren alle sehr deutlich, dass es um sehr viel mehr geht, als nur um einen lokalen Konflikt. Es geht hier um die Zukunft Europas!

In der Moskau unterstehenden ukrainisch-orthodoxen Kirche gibt es eine Debatte, ob der entmachtete Staatspräsident Viktor Janukowitsch exkommuniziert werden soll. Finden Sie einen Ausschluss aus der Kirche angebracht?

Ich kann nicht sagen, was man in der Ukrainisch-orthodoxen Kirche machen sollte. Es ist letztendlich eine innere Angelegenheit dieser Konfession, zu der sich Viktor Yanukovitsch ausdrücklich bekennt und den sie, ihrerseits, als ihr ehrwürdiges Mitglied betrachtet hatte. Als eine an der Seite stehende Person darf ich vielleicht mein persönliches Empfinden ausdrücken. Ich bin der Meinung, dass es ehrlicher gewesen wäre, ein solches Vorgehen der Ausschließung aus der kirchlichen Gemeinschaft viel früher zu überlegen. Soweit ich es verstehe, sollte Exkommunikation letztendlich eine therapeutische Wirkung haben: eine Person, die sich fehlerhaft verhält, auf den rechten Weg zu führen und den eventuellen Schaden, die sie in ihrer Umgebung anrichten könnte, zu vermeiden oder zu mindern. In einer Situation, in der der Expräsident entmachtet wurde und von der ukrainischen Regierung als Verbrecher verfolgt wird, sollte man – in christlicher Sorge um das Heil seiner Seele – eher um seine Umkehr und Reue beten. Dies aber ist – wie bereits erwähnt - mein persönliches Empfinden…

Auf der Krim und im Donezbecken sind Volksabstimmungen über die Zukunft der beiden Regionen geplant? Wie steht die griechisch-katholische Kirche dazu?

Juridisch gesehen sind solche Abstimmungen gesetzwidrig, was bereits durch das Ukrainische Gericht bestätigt und erklärt wurde. Es gibt nämlich kein Verfahren im Ukrainischen Gesetz, das dies vorsieht (ironischerweise hat die frühere Regierung dafür gesorgt). Wir haben keinen Zweifel darüber, dass dies ein Teil des gezielten und berechnenden Vorgehens ist, das als letztes Ziel den Zerfall der Ukraine zur Folge hat und wir hoffen, dass diese Pläne nicht gelingen werden. Ein klares Signal dazu haben selbst die Einwohner dieser Region gegeben: gestern fand in Donezk eine große Manifestation von 2000 -3000 Teilnehmern gegen die russische Besatzung statt, an der fast ausschließlich junge Menschen teilnahmen. Heute waren es bereits 10000! Gerade diese Jugend wird über die Zukunft der Ukraine entscheiden, und nicht die verantwortungslosen Politiker des benachbarten Staates.

Wie sollten sich jetzt Deutschland, die EU und die Nato verhalten?

Als Bischof kann ich keine politischen Lösungen vorschlagen. Ich hoffe, dass es genügend Personen gibt – innerhalb und außerhalb der Ukraine – die es besser machen werden, als ich es tun könnte. Was ich aber den westlichen Politikern wirklich wünsche ist dies, dass sie der Wahrheit ins Auge schauen und die wahre und echte Gefahr für die Sicherheit auf dem ganzen Kontinent erkennen, die durch das russische Vorgehen auf dem Territorium der Ukraine provoziert wird. In den letzten Wochen haben viele ihre Masken abgelegt und ihr wahres Gesicht gezeigt. Jetzt sollte die rosarote Brille abgelegt werden, weil es morgen zu spät sein könnte. Man soll den Aggressor beim Namen nennen und alle Möglichkeiten nützen, um ihn in Zaum zu halten. Trotz der noch immer angespannten Lage auf der Halbinsel Krim hoffen wir sehr, dass die gemeinsamen und koordinierten Schritte der Internationalen Gemeinschaft zu einem friedlichen Weg aus der Krise führen werden und die Souveränität und Integrität der Ukraine gesichert wird. Dafür beten wir ohne Unterlass.

 

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